Kann man Meditation „machen“?

Kann man überhaupt meditieren? Ist meditieren eine aktive oder passive Tätigkeit?

Was mich zu diesem Artikel veranlasst, ist die Frage nach dem Anteil, den man selbst hat beim Meditieren. „Ich möchte meditieren lernen“ ist eine Aussage, die mir in der letzten Zeit immer häufiger begegnet. Anscheinend ändert sich die die Atmosphäre und das neue Luftzeitalter setzt bei immer mehr Menschen den Impuls zu meditieren.

Ursache für Handlungen sind immer Wünsche. Ohne Wunsch keine Aktion. Der Wunsch zu meditieren könnte der innere Wunsch sein, den Kopf einmal auszuschalten. Es könnte auch der Wunsch sein, in der Stille seinem Selbst zu begegnen. Die Hoffnung durch Meditation herauszufinden, wer man denn wirklich ist. Vielleicht ist es auch der Wunsch nach einem Anker.

In dieser Zeit der zunehmenden Unsicherheit, wünschen Menschen einen Zufluchtsort zu haben, an den sie sich zurückziehen können, wenn es „da draußen“ einmal wieder turbulent und verrückt wird. Für den einen ist es vielleicht die Hütte im Wald, für den anderen das Ferienappartement auf Rhodos. Diese Orte sind allerdings nur vorübergehend erreichbar und garantieren keine echte, innere Ruhe, sondern nur eine äußere.

Der Gedanke an Meditation ist schon sehr weise und geht auf jeden Fall in die richtige Richtung. Jetzt gibt es ganz viele Techniken, die versprechen dich in die Meditation zu führen. Leider funktioniert es nur in den seltensten Fällen. Woran liegt das?

Ich stelle die Hypothese auf: Meditation ist ein Seinszustand und wir können diesen nicht „machen“. Es zu wollen, reicht nicht aus. Eine Technik zu praktizieren, reicht auch nicht aus. Meditation ist eine Gnade. Diese Gnade fällt uns zu. Ohne Anstrengung. Eine Gnade ist ein Geschenk, wie auch Meditation ein Geschenk ist. Dies wäre ein Hinweis, dass Meditation eine passive Angelegenheit ist.

Ich vergleiche es mit dem Schlaf. Wir können auch Schlaf nicht machen oder wollen. Wer einmal Schlafstörungen hatte, weiß wovon ich spreche. Wir können dafür sorgen, dass gut gelüftet ist, dass die Bettwäsche frisch ist, wir keinen Kaffee am späten Nachmittag trinken. Vielleicht trinken wir noch eine warme Milch vor dem Zubettgehen oder zählen Schäfchen, aber ob wir dann einschlafen, ist nicht in unserer Hand.

Ähnlich ist es auch bei der Meditation, wir können lüften, eine Kerze und Räucherwerk anmachen, uns ein passendes Meditations-Kissen hervorholen, dafür sorgen, dass wir nicht gestört werden, die erlernten Techniken anwenden, Mantren rezitieren etc. Ob wir dann in die Meditation „fallen“ steht auf einem anderen Blatt.

Vielleicht kennst du es auch, du sitzt und möchtest, dass das Gedankenkarussell anhält, aber es kommt immer noch ein Gedanke nach. Es wird einfach nicht still im Kopf. Anstatt der Freude und Glückseligkeit steigt der Ärger auf, dass es wieder nicht funktioniert. Du fängst an auf die Uhr zu schauen und zwingst dich sitzen zu bleiben. Du sitzt deine Zeit ab.

Meine Empfehlung ist regelmäßig die Vorbereitungen zu treffen und sich dem Universum anzubieten. Nichts zu erwarten und alles zuzulassen. Am besten wünschst du dir in diesen tiefen Zustand des inneren Friedens zu „fallen“. Manifestiere immer wieder diesen tiefen Wunsch nach innerem Frieden. Dann kommt die Meditation zu dir. Sie hüllt dich ein, umsorgt und verwöhnt dich, sie nimmt dich bei der Hand und führt dich in die Stille. Mit viel Glück begegnest du deinem inneren wahren Selbst.

Bist du in diesem Zustand, spielt Zeit keine Rolle mehr. Du bist „Kal-ateet“ jenseits von Zeit. 5 Minuten Meditation können dir wie eine ganze Stunde vorkommen oder auch umgekehrt. Du denkst ich habe mich gerade erst hingesetzt, hast aber 1h meditiert.

Kal = Zeit. Ateet = Jenseits, darüber…

Jenseits oder außerhalb der Grenzen der Zeit

Für normale Menschen ist Zeit linear oder eine Kraft, die sich nur in eine Richtung bewegt.

Somit sind wir eingeschränkt und können nur in die eine Richtung der Zeit wandern, ohne Ausnahme

Für Heilige, spirituelle Meister oder Götter ist Zeit nicht linear, sie können sich in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft begeben, nach freiem Willen. Dies ist kalateet

Quelle: Quora.com

In diesem Raum, jenseits der Zeit, steigt eine Freude auf, die wir Nir-Ananda nennen. Bedingungslose, unabhängige Freude. In tiefer Meditation laufen dir die Tränen vor Glück, obwohl augenscheinlich gerade gar nichts passiert. Diese Freude manifestiert sich, wenn du in den Seins-Zustand von Sat-Chit-Ananda kommst. Absolute Wahrheit in vollendeter Aufmerksamkeit führ zu der reinen Freude.

Sat-Chit-Ananda 

(Sanskrit, zusammengeschrieben सच्चिदानन्द, Satchidananda oder saccidānanda) ist die Beschreibung des eigentlich attributlosen Brahmans im Vedanta. Zusammengesetzt aus:

Sat (सत्) – Zustand des Seins oder der Existenz an sich, auch Wahrheit

Chit (चित्) – Bewusstsein, Verstand, auch Wissen. Wird meist im Sinne eines reinen unpersönlichen Bewusstseins verstanden.

Ananda (आनन्द) – Freude, Glückseligkeit. Die reine Freude Brahmans gilt in den Upanishaden als höchste Form unbedingten Glücks.

Quelle: Wikipedia

Keine Technik kann diesen Zustand machen. Es ist egal ob du auf dem Stuhl, dem Sessel oder im Lotussitz meditierst. Egal welche Mantren du benutzt oder wie oft du sie wiederholst. Wenn es passiert, kannst du nur Dankbarkeit empfinden, da es dir geschenkt wurde.

Der tiefe Zustand der Meditation, nachdem sich deine Seele sehnt, heißt Nir-Vichara – gedankenfreies Bewusstsein. Meditation beginnt dort, wo der letzte Gedanke gedacht wurde. Nach dem letzten Gedanken öffnet sich der Raum der Stille. Gelingt es dir dann in diesen Raum der Stille einzutreten, steigt die Freude auf und du möchtest nirgendwo mehr hin.

Der Schlüssel zu diesem Zustand ist die Kundalini Energie, die in deinem Kreuzbein schlummert. Erwacht die Kundalini, öffnet sie einen zentralen Energiekanal, den Sushumna Nadi. In diesem inneren Kanal aufsteigend, transzendiert sie alle Energiezentren, auch Chakras genannt. Erreicht die Kundalini das 6. Chakra, das Agnya-Chakra, schafft Sie eine Pause zwischen den Gedanken. Am Anfang nur für kleine, kurze Momente. Je öfter du die Voraussetzung für die Kundalini schaffst aufzusteigen, umso länger werden diese Momente ohne Gedanken. Es geschieht allerdings ohne Anstrengung. Es geht darum sich anzubieten und in Hingabe zu üben.

Aufgrund der besonderen Zeit, in der wir gerade leben, ist es spontan möglich, diese Kraft zu aktivieren. Versuche bei deiner nächsten Meditation einmal mit der rechten Hand auf dem Kopf, auf der Fontanelle, zu meditieren. Manifestiere dir den Wunsch, dass die Kundalini bis zum Scheitel-Chakra aufsteigt und dich mit tiefer Meditation beschenkt. Ich bin gespannt, welche Erfahrung du machst.

Dein Sven-Oliver aus dem SAMPURNA

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