Die Feinde des Yoga

Yoga – Verbindung, Anbindung, Einssein ist ein Zustand, der mit Gefühlen wie innere, unabhängiger Zufriedenheit, Mitgefühl und bedingungslose Liebe einhergeht. Es geht um die Verwirklichung des Atman – absolutes Selbst im eigenen Bewusstsein. Es ist der Weg der Moksha – Befreiung, Selbstverwirklichung hin zu dem, was wir eigentlich schon sind.

Der Weg zur Essenz des Yoga ist nicht einfach. Es werden dir etliche Hindernisse begegnen, wenn du auf deinem Weg des Yoga voranschreitest. Es ist ein Weg der Introspektion und Selbstreflexion. Der Weg hat viel weniger mit Asanas – Körperstellungen zu tun, als die meisten Praktizierenden glauben. Die körperliche Fitness ist nur ein winziger Teil im ganzheitlichen Yoga. Es gibt sogar Interpretationen, die besagen, dass der körperliche Yoga nur dazu dienen soll, dass wir länger in der Meditation verweilen können, unbeeinflusst von körperlichem Schmerz.

Ist dir dein Weg zur Selbstverwirklichung ernst, lade ich dich ein weiterzulesen. Möchtest du einfach nur etwas Yoga-Sport betreiben und deinen Körper formen, hast aber kein echtes Interesse an Veränderung und Transformation, dann spare dir die Zeit den Artikel zu Ende zu lesen.


Die inneren Feinde im Energiekörper

Ich habe in diesem Artikel das Gedankenmodel der 6 inneren Feinde erweitert und in Korrelation gesetzt zu unserem subtilen Energiekörper, bestehend aus den 7 Energiezentren (siehe dazu auch Blog-Artikel: Die heilende Kraft der Kundalini).

Es gibt 6 Feinde – Arishadvargas (Shad = sechs, ari = Feind und varga =Gruppe), die uns auf dem Yogaweg begegnen.

  1. Kama – Lust
  2. Krodha – Wut
  3. Lobha – Gier
  4. Moha – Wahn
  5. Moda – Stolz
  6. Matsarya – Neid

Wir tragen 7 Energiezentren in uns. Diese Energiezentren, auch Chakras – Räder genannt, versorgen unsere Organe mit Energie. Diese 7 Chakras formen außerdem unseren Energiekörper. Im Yoga geht es darum die grob stoffliche Erscheinung des Körpers zu transzendieren und unseren psychischen Körper, bestehend aus Ego und Konditionierungen (Prägungen, Erfahrungen in der Kindheit, Gewohnheiten) zu transformieren.

Die Kundalini Energie – ätherische Kraft, Lebensenergie öffnet unseren Sushumna Nadi – zentraler Energiekanal der spirituellen Evolution und führt uns in die Verbindung mit der universellen Schwingung von Adi Shakti – große, alles durchdringende Kraft. Durch diesen Vorgang werden die Zentren erleuchtet und fühlbar, unser Atman – unsterbliches Selbst, erfahrbar.

Zu Beginn dieses Prozesses der Selbstverwirklichung fangen wir an kühle Vibrationen zu spüren und unseren unsterblichen Anteil wahrzunehmen. Die persönliche Identifikation mit dem Ego und unserer Rolle in dem weltlichen Schauspiel ist aber noch präsent und aktiv. Durch regelmäßige Praxis von Dhyana – Meditation wird der fein stoffliche Anteil in uns gestärkt und das Ego beginnt sich langsam aufzulösen.

In der Meditation geht es darum in einen Zustand von Nirvichara – Gedankenfreiheit zu kommen. In diesem Zustand ist unser Verstand absolut ruhig und die im Unbewussten abgespeicherten Konditionierungen haben für einen Moment keinen Einfluss auf unsere Existenz. Wir sind eins mit dem gegenwärtigen Moment.

Die Chakren sind wie Blüten, die sich langsam öffnen und ihren subtilen Duft in unserem inneren Wesen verströmen. Durch regelmäßige Meditation und energetische Reinigung können die Chakren immer besser rotieren und wir bekommen mehr von den fein stofflichen Energien der Kundalini und Adi Shakti in unser System. Jedes einzelne Energiezentrum ist verbunden mit körperlichen, psychischen, spirituellen Aspekten unseres Daseins.

An dieser Stelle beginnt die tatsächliche „Arbeit“ des Yoga. Es geht um Schattenarbeit, das Auflösen von Konditionierungen und die Überwindung von falschen Identifikationen. Diesen Weg kann der Yogi nur selbst gehen. Der Yogi wird zu seinem eigenen Meister. Niemand kennt dich so gut wie du selbst. Niemand stellt dir ein Zeugnis aus, nur du selbst. Tägliche Reflexion ist gefragt. Wo stehe ich gerade? Bin ich im Mitgefühl und in der Liebe? Was hält mich davon ab? Wo habe ich gegen meine Ethik, mein Dharma – Gebote, universelle Verhaltensregeln verstoßen?

Die Chakren verändern unseren Charakter. Je besser sie arbeiten, umso mehr manifestieren sich ihre Qualitäten in unserem Wesen. Schlechte Charaktereigenschaften blockieren die Chakren und verhindern unseren spirituellen Aufstieg.

Ich finde es genial, wie die Schöpfung diesen Mechanismus eingerichtet hat. Keine Erleuchtung oder Heiligkeit ohne wahrhaftige Veränderung. In der echten Spiritualität ist kein Platz für Scheinheiligkeit. Wer vorgibt etwas zu sein, was er nicht ist, blockiert die Chakren, verliert seine Anbindung und seinen Status. Es gibt kein Zertifikat, welches dir lebenslang eine Qualifikation bescheinigt. Das Zeugnis wird jeden Tag neu ausgestellt. Du selbst bist Lehrer und Schüler gleichzeitig. Zertifikat Nehmer und Geber in einer Person. Dieser Prozess wird auch Jihad – heiliger Krieg, Anstrengung, Bemühung genannt. Dieser Kampf wird in uns gekämpft. Es ist dein persönlicher Kampf gegen die inneren Feinde.

Irrtümlicher Weise könnte man hier denken, dass es tatsächlich ein anstrengender Kampf ist. In Wirklichkeit ist es ein anstrengungsloser Prozess. Es geht nicht darum diese Feinde zu „bekämpfen“. Vielmehr geht es darum, sie zu erkennen und ins Licht zu holen. Yoga ist ein Prozess der Bewusstwerdung. Hat man die Feinde in sich erkannt, kann man sie begrüßen: „Ahh da bist du ja! Wo kommst du denn her?“

Schauen wir als losgelöster Beobachter auf diese Feinde, werden wir ihre Ursache erkennen; vielleicht ein Schlüsselereignis in unserer Kindheit oder eine tiefe Enttäuschung durch eine bestimmte Lebenssituation. Sind wir in der Lage die Ursache zu finden, lösen sich diese Eigenschaften meistens von ganz allein auf. Wir müssen nicht wirklich etwas tun. Durch unsere Meditation und die damit verbundene Anbindung an das Licht, haben wir die Fähigkeit die Schatten aufzulösen. Was geschieht mit dem Schatten, wenn wir das Licht anmachen? Richtig – er löst sich einfach auf und verschwindet. Dies ist der Prozess, zu dem ich dich einlade, wenn wir uns jetzt tiefer mit den Chakren und den inneren Feinden beschäftigen.

Es gibt 7 Ebenen in uns zu denen die Chakren gehören. Um das dritte Chakra herum gibt es noch einen Raum, den man auch Void oder Bhavasagara – Leere, Ozean der Illusionen nennt. Damit gebe es 8 Hauptaspekte, die mit bestimmten Qualitäten und Charaktereigenschaften verbunden sind.

Meine Theorie ist, dass es zu jedem positiven Aspekt, der das Energiezentrum erblühen lässt, auch einen negativen Aspekt gibt, der das Energiezentrum blockiert. Somit reichen die klassischen 6 Feinde nicht ganz aus. Ich habe daher, um das System zu komplettieren, jedes Energiezentrum mit seiner Kraft und seinem „Feind“ besetzt. Der Feind verhindert, dass die Kraft sich entfaltet.

Werde dir deiner Charaktereigenschaften bewusst. Ohne dich selbst zu verdammen oder dich dem Druck auszusetzen, dass diese Dinge jetzt verschwinden müssen.

Die Kundalini sitzt in unserem Sacrum Bonum – Kreuzbein. Wird die Kundalini erweckt, beginnt sie ihren Aufstieg und durchdringt zuerst das Swadhistana – sakral Chakra. Das Mooladhara – Wurzelchakra sitzt unterhalb der Kundalini und schafft überhaupt erst die Voraussetzung für eine Erweckung.

Lass uns eine kurze Reise durch die Chakren machen, von unten nach oben:

 Mooladhara – Wurzelchakra

Die Qualität ist die Unschuld und Weisheit. Nur wer unschuldig wie ein Kind um Erweckung der Kundalini bittet, bekommt auch die Erfahrung. Kundalini-Shakti ist die individuelle, spirituelle Mutter. Sie nährt und erzieht ihr spirituelles Kind – deine spirituelle Persönlichkeit. Reinheit ist oberstes Gebot. Auch Reinheit in sexueller Hinsicht.

Der Feind dieses Chakras ist Kama – die Lust. Es ist nicht nur die sexuelle Lust gemeint, sondern auch das allgemeine Streben nach Sinnesfreuden. Die Sinne zählen zu den körperlichen „Symptomen“ und halten uns auf der weltlichen Ebene fest, wir sind schwer und träge, im Körper gefangen. Erst wenn wir die Leichtigkeit des einfachen „Seins“ etablieren, werden wir anfangen aufzusteigen.

 

Swadhistana – sakral Chakra

Das zweite Chakra schenkt uns Kreativität, gute Ideen, Motivation und reines Wissen. Der Yoga geht davon aus, dass alles wahrhaftige Wissen bereits in uns angelegt ist. Öffnet sich dieses Chakra durch Meditation und Reinigung, wird sich dieses Wissen um die Spiritualität und die kosmischen Gesetze aus uns selbst heraus entwickeln.

Der Feind dieses Chakras ist Krodha – Wut. Wer sein Temperament nicht im Griff hat und sich und seine Umwelt durch unkontrollierte Wutausbrüche aus dem Gleichgewicht bringt, schädigt dieses Chakra. Eine Erfahrung der Wut lädt aber auch dazu ein in die Reflektion zu gehen. „Warum reagiere ich so? wo sind die Ursachen für meine Wut? welche Trigger- konditionierte Verhaltensmuster habe ich?“  Die Begegnung mit einem Feind schafft immer Gelegenheit an sich zu arbeiten.

 

Nabhi – Bauch- oder Nabel-Chakra

Dieses dritte Chakra schenkt uns Zufriedenheit, inneren Frieden und die Großzügigkeit. Wer von Grund auf zufrieden ist, braucht keine Gegenstände oder materielle Dinge, um zufrieden zu sein. Automatisch ist er großzügig, da er nicht an den Dingen anhaftet.

Der Feind dieses Chakras ist Lobha -Gier. Denke ich immer an mich? Bin auf meinen Vorteil bedacht, versuche immer als Erster „ans Futter“ zu kommen, blockiere ich dieses Chakra. Ich renne den äußeren Dingen hinterher und verliere dabei die innere Ruhe und natürliche Zufriedenheit.

Beobachte dich selbst. Auch bei den kleinen Dingen im Leben.

 

Void – Ozean der Illusion

Dieser Bereich ist bei deinem spirituellen Aufstieg am schwierigsten zu überwinden. Mit dem Ozean der Illusion ist die äußere Welt der Erscheinung gemeint. Die Qualität dieses Chakras ist die innere Meisterschaft. Der Meister, der in dir sitzt und dich an die Meditation und die Loslösung von dem weltlichen Spiel erinnert. Durch Disziplin und regelmäßige Meditation erhältst du Distanz zu den Mythen des Alltags.

Der Feind dieses Chakras ist Moha- Wahn, Illusion. Lässt du dich noch einfangen von der Maya – Welt der Erscheinungen? Beruf, Job, Status, Aussehen, Hobbies, alles geschieht nur im Außen. Wer diese äußere Welt für die wirkliche annimmt, bleibt gefangen auf dieser Ebene und wird nie seine Moksha – spirituelle Befreiung erlangen. Das einzig Wahrhaftige ist und bleibt der Atman – Lebenshauch, absolutes Selbst

 

Anahata – Herz-Chakra

Die Qualität des Herzens ist die Liebe und das Mitgefühl. Gemeint ist die uneingeschränkte Liebe für alle Menschen, auch für deine Feinde. Mitgefühl für alle Lebewesen auf diesem Planeten, nicht nur für die Ausgewählten.

Der Feind dieses Chakras ist Asakti – Anhaftung, Bindung. Schenken wir unsere Liebe nur einem erlesenen Kreis von Menschen, wird unser Herz klein und eng. Wer nur die eigenen Kinder liebt, hat das spirituelle Prinzip dieses Chakras noch nicht verstanden.

 

Vishuddhi – Hals-Chakra

Das Hals-Chakra steuert unsere Kommunikation und unseren Ausdruck in der Beziehung mit unserem Umfeld. Ist dieses Chakra ausgearbeitet und weit geöffnet, sind wir angeschlossen an die Akasha – kollektive Bewusstsein, wir lesen im kollektiven Feld und sind in der Lage ohne Sprache zu kommunizieren. Die richtigen Informationen dringen zur richtigen Zeit in unser Bewusstsein.

Der Feind dieses Chakras ist Matsarya – Neid und Lügen. Versuchen wir mit unserer Sprache die Welt und die Geschehnisse zu unseren Gunsten zu beeinflussen oder zu manipulieren, schließt sich dieses Chakra. Auch unausgesprochene, schlechte Gedanken, in Form von Neid oder Eifersucht blockieren diesen Quell segensreicher Qualitäten.

 

Agnya – Stirn-Chakra

Die Qualitäten dieses Chakras sind Barmherzigkeit, Vergebung und Nirvichara – gedankenfreie Meditation. Sind wir mit unseren Mitmenschen barmherzig, haben negative Gefühle wie Rache und Hass überwunden, öffnet sich dieses Chakra und beschenkt uns mit tiefen Meditationen ohne Gedanken.

Der Feind dieses Chakras ist Mada – Stolz und Ego. Sind wir prahlerisch oder legen Wert auf unsere Errungenschaften und Verzehren uns nach Anerkennung, verschließt sich dieses Chakra und es wird schwer in die Meditation zu kommen. Das Agnya – Chakra gilt als das Tor zur Erleuchtung. Wer noch Ego besitz oder Hass anderen Menschen gegenüber hegt, kann dieses Tor nicht passieren.

 

Sahasrara – Kronen-Chakra

Dieses 7. Chakra ist auch der 7.Himmel. Wer auf seiner spirituellen Reise in dieses Chakra vordringt, erfährt die Einheit mit dem Göttlichen. Sein Atman – absolutes Selbst verschmilzt mit Brahman – unveränderliche, unendliche, immanente und transzendente Realität. Der Yoga ist komplett, der Weg der Vollendung abgeschlossen.

Der Feind dieses Chakras ist Asatya – Atheismus; Okkultismus. Wer nicht an Gott oder eine schöpferische Kraft glaubt, kann nicht in diesen 7.Himmel vordringen. Das Chakra wird sich nicht öffnen. Wer okkulte Praktiken betreibt, wird dieses Chakra vielleicht sogar für weitere Leben so schädigen, dass ein spiritueller Aufstieg auch in späteren Inkarnationen der Seele unmöglich wird.

 

Wenn dir der Artikel gefallen hat und du tiefer in das Thema von Kundalini und den Chakren einsteigen möchtest, bist du herzlich eingeladen an meinem Seminar Der Weg nach Innen teilzunehmen.

Dein Sven-Oliver